Wir haben unsere Mitschülerinnen Abida und Denique über ihre Erfahrungen in der Schule ihrer früheren Heimat befragt. Abida kommt ursprünglich aus Afghanistan, Denique aus Simbabwe. Einiges von dem, was sie erzählten, machte uns traurig. Sie sagten, dass die Kinder dort für Fehler geschlagen wurden. Und Abida berichtete, dass es keinen Pausenhof für die kleinen Kinder und dass es getrennte Klassen für Jungs und für Mädchen in der Schule gab. Uns gefiel aber, was Denique von den Partys an ihrer Schule erzählte und dass bei Abida die Schule erst um 10 Uhr morgens begann.
Aaliyah und EMILIA: Wir beide arbeiten für die SCHNIPSEL-Redaktion und haben zwei Gäste hier. Stellt euch bitte kurz vor.
ABIDA: Ich heiße Abida, ich bin 12 Jahre alt. Ich komme aus Afghanistan, Kabul, und ich bin seit drei Jahren hier.
DENIQUE: Ich bin Denique. Ich bin 11 Jahre alt. Ich bin im August 2024 gekommen, also vor einem Jahr sieben Monaten.
AALIYAH: Erzähle von deiner Schule in deiner Heimat früher. Wie war die Schule?
ABIDA: Also meine Schule war nicht so groß. Es ging bis in die sechste Klasse. Da gingen auch Mädchen und auch Jungs, aber in getrennten Klassen.
DENIQUE: In meiner Schule ging es bis zur neunten Klasse. In jeder Klasse waren ungefähr 20 Kinder, Jungen und Mädchen. Wir hatten Unterricht bis 15 Uhr. Es gab die Fächer Englisch, Shona, unsere Hauptsprache, Mathe, Landwirtschaft, Gewi und Sport natürlich.
ABIDA: Meine Schule fing um 10 Uhr an und endete um 15 Uhr. In einer Mädchenklasse waren 10 bis 16 Kinder. Wir hatten Mathe und Afghanisch. Und wir hatten Englisch, aber da haben wir nur Buchstaben gelernt. Also drei Fächer. Sport hatten wir nicht.
EMILIA: Wie waren die Lehrer in eurer Schule?
DENIQUE: Bei uns waren die Lehrer nicht so nett. Wenn wir etwas falsch machten, wurden wir geschlagen – auf die Hand, den Rücken oder den Hintern. Die Mädchen meistens auf die Hand. Und für jede falsche Antwort schluegen die Lehrer dich auch. Ja, so war es da.
AALIYAH: Also bei uns war es auch so, dass man mit dem Lineal auf die Hand geschlagen wurde, zum Beispiel wenn man zu spät kam oder Streit hatte.
EMILIA: Also, das finde ich schlimm. Für mich würde das richtig weh tun. Egal, ob man leicht haut, das tut irgendwie weh.
AALIYAH: Welche Regeln gab es in der Schule oder was war besonders wichtig?
ABIDA: Dass man als Mädchen nicht zur Jungsklasse geht.
DENIQUE: Wir mussten immer Hausaufgaben machen und Sachen erledigen. Und wenn du eine Aufgabe falsch hattest, musstest du es wieder schreiben. Wenn du es wieder falsch hattest, musstest du es immer wieder schreiben, bis du es richtig hattest. Und sonst wurdest du geschlagen.
AALIYAH: Wie sah es bei euch im Klassenraum aus? Wie habt ihr gesessen?
DENIQUE: Ich finde es eigentlich sehr gut, wie wir da im Klassenraum saßen. Wir saßen nicht am Gruppentisch, sondern in drei Reihen und guckten alle nach vorne auf die Tafel. Jedes Schuljahr durftest du entscheiden, wo du für das ganze Schuljahr sitzt. Die Tische hatten keinen Fächer. Du konntest den Tisch aufmachen und deine Sachen nehmen. Du musstest dafür nicht herumlaufen. Der Lehrer hatte einen eigenen Tisch.
ABIDA: Man hat keinen Gruppentisch, sondern saß auf zwei Plätzen nebeneinander. Vorne war eine Tafel. Der Lehrer hatte auch einen eigenen Tisch. Unsere Tafel war grün und wurde mit Kreide beschrieben
AALIYAH: Was habt ihr in den Pausen gemacht?
ABIDA: Erstens hatten wir keine Schulhofpause. Zweitens hatten wir keinen Hof. Wir hatten einen kleinen Raum. Da waren Spielgeräte wie eine kleine Rutsche aus Plastik. Wir durften zehn Minuten Pause machen. Klettersachen gab es nur für die Großen.
DENIQUE: Bei uns war die Pause eine Stunde lang. Wir hatten keinen Schulhof, sondern gingen nach draußen, wo die Autos waren. Neben der Schule gab es einen Spielplatz mit Schaukeln. Weiter hinten gab es ein sehr großes Feld, auf dem man spielen konnte. Wir benutzten es meistens für Sport und zum Spielen. So war die Pause.
AALIYAH: Gab es in eurer Schule eine Schuluniform?
DENIQUE: Ja. Es gab bestimmte Uniformen für bestimmtes Wetter. Wenn es Winter war, mussten alle Schüler Hosen anziehen. Es gab eine Bluse und ein Badge. Da stand Coronation Academy drauf. So hieß unsere Schule. Im Sommer mussten die Jungs Hosen anziehen, die Mädchen einen Rock, und kurzärmlige T-Shirts. Im Winter waren es langarmige T-Shirts. Und wir trugen blaue Hüte.
ABIDA: Bei uns gab es auch Uniform. Wir mussten einen langen Rock anziehen, im Sommer und im Winter. Dazu blaue T-Shirts und eine blaue Jacke, die auch blau ist. Die 456er mussten ein Kopftuch tragen, die jüngeren konnten. Aber wir hatten Tage, an denen wir einfach anziehen konnten, was wir wollten. Dann brachten wir Essen für alle mit.
DENIQUE: An unserer Schule hatten wir viele Partys mit Liedern, Tanzen und Essens- oder Tanz-Challenges und so. Du konntest da Preise gewinnen. Und wir feierten Geburtstage zusammen. Und wenn jemand das Land verließ, machen wir eine sehr große Party. So war es auch für mich.
EMILIA: Wie war es bei deiner Party?
DENIQUE: Es war groß. Es war nur für mich, weil ich das Land verließ. Ich hatte zwei Kuchen dabei, einen von der Schule und einen von meiner Mutter. Ich musste sehr viele Fotos machen und wir machten auch Challenges.
AALIYAH: Was hat dir an deiner frühen Schule gefallen und was hat dir nicht gefallen?
DENIQUE: Ich fand gut, dass die Schule groß war, wir Uniformen trugen und miteinander spielten. Aber ich fand nicht gut, dass man die Kinder schlug. Ich fand das ein bisschen zu gemein. Und auch wenn wir falsch machten, war es nur ein Fehler, und wir konnten es das nächste Mal besser machen. Aber dann die Kinder gleich zu schlagen, das fand ich nicht gut.
ABIDA: Ich fand es gut, dass man erst um 10 Uhr zur Schule ging. Mir gefiel nicht, dass man Kinder schlug und dass es keine längeren Pause für die 123er gab.
AALIYAH: Jetzt im Vergleich, wie findet ihr es jetzt an unserer Schule?
DENIQUE: 50-50, weil beide Schulen sind gut. Aber hier muss ich eine Sprache, die ich nicht so gut kann. Ich muss Deutsch sprechen. Hier sind Sachen immer schwer für mich, wegen der Sprache. In meiner Schule in Harare war es einfacher.
ABIDA: Also hier gefällt mir, dass man sich hier anziehen kann, wie man will, und dass man viele Fächer und große Hofpausen hat.
AALIYAH: Ich finde schon ein paar Sachen traurig: zu wissen, dass man geschlagen wurde und so. Aber ich finde, es war auch cool in eurer Schule, dass ihr so Partys hattet und Challenges. Wir haben jetzt ein bisschen mehr gelernt über euer Land, wie es in eurer Schule war. Vielen Dank, dass ihr darüber so viel erzählt habt.
Autorinnen: Aaliyah, Abida, Denique, Emilia
